DEATH – Human (Reissue) / Review Nummero 2
Nachdem sich Lars bereits letzte Woche zum Death Human Reissue geäußert hat, erhält nun Herr Jörg Burkhardt das Wort !
DEATH – Human (Reissue)
Relapse Records
(VÖ: 01.07.2011)
2CD
Genanntes Album war meine erste musikalische Auseinandersetzung mit Death Metal überhaupt. Zuvor kannte ich diesen ausschließlich von den T-Shirts schlecht rasierter, pflaum-bärtiger Mofa-Fahrer und von (zugegeben meist saucoolen) in Plattenladen-Schaufenstern ausgestellten Albumcovern. Richtig weit vorne natürlich die wachsmal-Cannibal Corpse Cover über die wir uns damals schon kaputt lachten. Death Metal war für mich also durchaus eine erheiternde Bereicherung, eine musikalische aber gewiss nicht.
Anders verhielt es sich da mit der damals nagelneu erschienenen Death-Scheibe „Human“, die mir ein Freund breit grinsend als das „neue Ding“ unterjubelte. Sah ich mein bisheriges Bild des Stils zunächst im Schriftzug bestätigt, musste ich doch schnell feststellen, dass der Klo-Gesang fehlte und auch die sonstige Musik abgesehen vom „ständigen Geklacker gar nicht so schlimm“ war. Das Geklacker, wurde mir berichtet, sei die Bass-Drum und hat so gespielt schon seine Richtigkeit.
Bis ich mich dieser Ansicht anschließen konnte vergingen etliche Durchgänge, die Platte war auf jeden Fall interessant und hatte ihren Reiz. Was sie bei mir lostreten sollte, konnte ich natürlich noch nicht wissen.
Abgesehen von den abwechslungsreichen Riffs, den eingestreuten Sounds und den verspielten Bass- und Gitarrenläufen hat mich vor allem das Schlagzeugspiel von über-Drummer Sean Reinhart umgehauen. Bis heute hab ich nie wieder eine derart abwechslungsreiche und gelungene Verschmelzung von (heftigstem!) Double-Bass Spiel und Jazz gehört (ausser auf der alten Cynic-Scheibe „Focus“, die auch Sean Reinhart einspielte). Heute ist klar, dass „Human“ einer der einflussreichsten Death Metal Scheiben überhaupt ist und im Bereich des Progressiven Death Metal noch immer eine der obersten Messlatten setzt – wenn nicht die Oberste. Ach ja, nebenbei: jeder Song ist ein Hit.
Der von Scott Burns in den legendären Morrisound-Studios aufgeprägte Sound klingt auch heute noch differenziert und druckvoll. 20 Jahre nach Erstveröffentlichung wurde das Album komplett neu von Jim Morris gemischt(!), weil das Band mit den original Mischen beim alten Label abhanden gekommen war. Mit der Neuveröffentlichung bringt Relapse uns zusätzlich noch Demo- und instrumentale Studio-Versionen mit auf den Weg; gerade auch für „alte Hasen“ und „Vergötterer“ der Platte interessant.
Kurzum: „Human“ hat bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt und wirkt durch die riesen Spielfreude sowie ihren Facettenreichtum noch immer frisch und bei weitem nicht so statisch wie viele moderne Metal-Produktionen in diesem Bereich. Dieses Meisterwerk ist gleichermaßen oberste Referenz sowie Instanz!
JB, 23.07.2011
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